Während wir – Millionen von Menschen in Katalonien – am 1. Oktober an der Volksabstimmung über unsere Unabhängigkeit teilnahmen, schickte die spanische Regierung tausende paramilitärische Polizist*innen um uns brutal anzugreifen. Der Kontrast zwischen dieser Gewalt gegen die Menschen einerseits und andererseits die demokratische Entschlossenheit von Hundertausenden, die ihre Wahlbüros friedlich verteidigten, charakterisiert diesen Konflikt eindeutig.

Die katalanische Bewegung ist vielfältig. Sie basiert auf Vereinen, Organisationen und Plattformen, die für fortschrittliche Politik stehen wie beispielsweise für die Gleichstellung von Frauen und Männern und gegen sexuelle Belästigung, gegen Zwangsräumungen, gegen fracking und für den Zugang zu Strom und Gas, für eine Steuer auf Atomenergie, gegen Stierkampf, gegen den Einsatz von Gummigeschossen – doch alle diese Maßnahmen wurden vom spanischen Staat kassiert. In Katalonien fanden dieses Jahr die größten Demonstrationen in ganz Europa statt, um Geflüchtete willkommen zu heißen. Die Demos nach den schrecklichen Attentaten in Barcelona und Cambrils waren ein Aufschrei für Frieden, Anti-Rassismus und Miteinander. Es soll also niemand wagen, die katalanische Gesellschaft einzig nationalistisch oder rückwärtsgewandt zu nennen!

Egal was man über die Unabhängigkeit Kataloniens denkt – wir Katalan*innen haben das Recht, über unsere Zukunft selbst zu entscheiden! Und wir haben eine klare Entscheidung getroffen – trotz der Polizeigewalt, die 900 Verletzte zurück ließ.

In dem Unabhängigkeitsreferendum stimmten am 1. Oktober über zwei Millionen Menschen für eine unabhängige Katalanische Republik – das waren mehr als 90 Prozent. Die Wahlbeteiligung bei diesem Referendum war höher als bei den Beratungen zum aktuellen Autonomiestatus oder bei der Abstimmung über die Europäische Verfassung – und niemand hat je die Gültigkeit dieser Abstimmungen in Frage gestellt. Vor dem Hintergrund der aktuellen Polizeigewalt ist die hohe Wahlbeteiligung am Unabhängigkeitsreferendum umso beeindruckender. Von den 2.300 Wahlbüros wurden 400 durch Polizei oder Verwaltung geschlossen und 770.000 registrierte Wählerinnen und Wähler wurden in ihrem Wahlrecht beeinträchtigt.

Nicht zu vergessen sind all jene (inklusive einiger Unterzeichner*innen), die von der Abstimmung ausgeschlossen wurden, weil das spanische Wahlrecht auf Abstammung beruht und damit auch Personen ausschließt, die schon lange hier wohnen. Trotzdem beteiligten sich diese Menschen daran, das Selbstbestimmungsrecht der Katalan*innen zu verteidigen.

In den letzten Wochen und Monaten wurden zahlreiche Menschen überwacht, angeklagt oder sogar verurteilt auf Grund ihrer Ideen. Die paramilitärische Polizei Spaniens stürmte katalanische Regierungsgebäude und Medienbüros und nahm über 150 Internetseiten vom Netz… Der momentane Ausnahmezustand, der über Katalonien verhängt wurde, erinnert an die Franco-Diktatur und ist ein weiteres Zeichen für die demokratischen Defizite des spanischen Staates. Ein Staat, in dem es bis heute keine Gerechtigkeit für die in der Diktatur Verschwundenen gibt und in dem der Faschismus eine beunruhigende Straffreiheit genießt.

Wir wissen, dass 83% der Bevölkerung das Recht auf eigene Entscheidungen unterstützen, auch wenn es verschiedene Ansichten zur Unabhängigkeit gibt. Doch wir sind ein vereintes Katalonien. Ausgehend von der Basis der Gesellschaft arbeiten wir an dieser Gemeinschaft – und werden das auch in Zukunft weiterhin tun – damit unsere Gemeinschaft erhalten bleibt und nicht gespalten wird. Möglich wird das, in diesem verfassungsgebenden Prozess, in geduldigen Debatten und in dem Aufbau einer Gesellschaft, die sozialen Fortschritt für uns alle bringt. Nicht möglich ist unsere Gemeinschaft hingegen, wenn unsere demokratischen – und wahrscheinlich auch die sozialen – Rechte durch einen Sieg der Repression aufgehoben würden.

Der spanische Staat will uns nicht zuhören, genau wie er uns in all den Jahren nicht zugehört hat – bis jetzt mit Unterstützung durch die anderen Staaten. Ganz klar, dass auch diese anderen Staaten ohne den Druck der Bürger*innen unsere demokratischen Forderungen einfach ignorieren werden.

Aus diesem Grund muss die Zivilgesellschaft weltweit ihre Stimme gegen die Repression und für das autonome Entscheidungsrecht der Menschen in Katalonien erheben.

Wir rufen sämtliche Einzelpersonen und Organisationen dazu auf, Solidaritätsbewegungen zu gründen für die demokratischen Rechte in Katalonien und gegen die Repression. Der Kampf der katalanischen Bevölkerung zeigt, dass unsere Stärke in der öffentlichen Beteiligung liegt. Deswegen wollen wir Euch ermuntern:

– bildet einheitliche Räume für die Mobilisierung und um Druck aufzubauen, der all jene demokratischen und progressiven Kräfte umschließt, die wir mit #WithCatalunya verwirklichen wollen;

– organisiert öffentliche Veranstaltungen, Straßenstände und andere Aktionen, um bekannt zu machen, was wirklich in Katalonien passiert – und um die Erzählungen der rückwärtsgewandten Akteure im spanischen Staat und dessen Verbündeten zu widerlegen;

– ruft Demos und Kundgebungen aus, in Abstimmung mit Euren lokalen Planungen und als Teil international abgestimmter Aufrufe, aber auch als spontane Antwort auf jegliche neue Eskalationen der Repression in Katalonien.

– lasst Eurer Vorstellungskraft und Spontanität freien Lauf! …denkt Euch neue Aktionsformen aus und wenn sie funktionieren, lasst uns das wissen, damit wir sie bekannt und für alle anwendbar machen können;

– versucht, Delegationen nach Katalonien zu schicken, um unseren Kampf kennenzulernen und zu begleiten. Wir überlegen gerade, ob wir ein internationales Treffen in Barcelona auf die Beine stellen.

In jeder Stadt, in jedem Land ist es notwendig zu verstehen, was hier auf dem Spiel steht! Wenn wir heute erlauben, dass das Recht auf Entscheidungen unterdrückt wird – dann können morgen schon weitere Grundrechte in anderen Teilen der Welt unterdrückt werden.

Der Kampf in Katalonien ist Teil des Kampfes für Demokratie und für die Gerechtigkeit der Mehrheit der Menschen des Planeten. Wir bitten Euch: Seid solidarisch mit Katalonien! Für uns – und auch für Euch!

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Signed in a personal capacity by:

Adriano Galante, President of the Union of Activist Musicians of Catalonia

Albano Dante Fachin, General Secretary of Podem Catalunya

Alex Rosa, councillor, Tiana

Alfons Pérez, Member of the Debt Observatory in Globalisation

Antoni Trobat, journalist and NGO worker

Aritz Garcia, president of Sodepau

Arnau Galí Montiel, social educator

Arnau Pons, translator and poet

Bárbara Ramajo, member of Bollos en Teoría

Bel Busquets, MP and spokesperson for Més per Mallorca in the Parliament of the Balearic Islands

Bel Olid, writer

Betlem C. Bel, feminist activist

Blanca Llum Vidal, poet

Carles Rebassa, writer

Carme Abril Ferrer, Catalan language and literature teacher

Carme Puig Antich, sister of Salvador Puig Antich and fighter against the Franco regime

Carme Sansa, actress, Theater with the Referendum

Clara Camps, teacher

Consol Barberà, member of the board of Escola Valenciana

Cristina Mas, Member of the Solidarity Committee with the Syrian People and of Lluita Internacionalista

David Caño, poet

David Companyon, former member of the speaker’s committee of the Catalan Parliament

David Fernández, journalist

David Karvala, social activist and member of Marx21

David Minoves, President of CIEMEN

Diego Rejón, Worker and member of the Works Committee of Seat-VW at Martorell

Eugeni Rodríguez, LGBTI activist and promoter of the fight against LGBTIphobia

Eulàlia Reguant, ex-MP and NGO worker

Eva Fernández, feminist activist, ex-president Barcelona Neighbours‘ Association, FAVB

Fatiha El Mouali, social activist

Fatou Secka, activist against female genital mutilation

Francesc Serra, Coordinator of the Platform for Catalan National Sports Teams

Francesc Tubau, activist of the Stop the War Platform, PALG

Ghassan Saliba, trade unionist in CCOO Catalonia

Guifré Bombilà, cook

Ibai Arabide, journalist and lawyer

Imma Puig Antich, sister of Salvador Puig Antich and fighter against the Franco regime

Iolanda Fresnillo, sociologist

Iolanda Maurici, Member of UM9 and Entitat Ger

Irene Escorihuela, Director of the DESC Observatory

Isa Chacon, member of the CUP

Jaume Botey, social and political activist in L’Hospitalet de Llobregat

Jaume Mateu, President of Obra Cultural Balear

Joan Tardà, MP in the Spanish Congress

Jordi Martí Font, councillor, Tarragona

Jordi Muñoz i Burzon, teacher and member of the anti-militarist movement

Jordi Sebastià, MEP

Josep Bel, member of Constituent Process

Josep Giralt, activist for the rights of people with disabilities

Josep Maria Terricabras, MEP

Juan Manuel Ávila, Observatory for the autonomy and rights of indigenous peoples in Colombia

Lídia Pujol, performer and singer

Luis Blanco Maldonado, member of Intersindical Alternativa de Catalunya (IAC)

Maria Gabriela Serra, teacher

Marc Casanovas, editorial board of Viento Sur

Marco Aparicio, teacher, University of Girona

Margalida Ramis, environmental activist and spokesperson of GOB (Mallorca)

Maria Dantas, activist of Unity Against Fascism and Racism

Maria Rodó de Zárate, researcher and member of Gatamaula Feminista

Marta Jorba, researcher and feminist activist

Martí Sales, writer

Mercè Otero Vidal, activist of the Ca La Dona feminista movement

Merçona Puig Antich, sister of Salvador Puig Antich and fighter against the Franco regime

Mireia Herrera Prats , Member of Marxa de la dignitat

Mònica Álvaro, MP and spokesperson of Compromís in the Parliament of Valencia

Montserrat Higueras, Feminist and member of Women for Yes

Mostafà Shaimi, activist in Salt Antiracista

Mouafak Assad, Sirio-Catalan Association for Freedom and Democracy

Núria Comerma i Cortada, anthropologist

Núria Vidal de Llobatera i Pomar, Member of Ecologists in Action, activist for social and environmental justice

Omaira Beltrán, coordinator of Llatins per Catalunya

Pau Alabajos, singer

Pau Urenya Micó, Philosophy teacher

Pep Cruanyes, Comissió de la Dignitat

Pilar Massana, social worker, member of Christians of the 21st century

Pilar Rebaque, activist in the feminist movement

Ramon Font, member of the teachers‘ union, USTEC · STEs

Rocío Varela, member of the Federation of Other Activities (IAC)

Rolando d’Alessandro, Libera Associazione Italo Catalana Antifascista

Roser Veciana, former councillor, Barcelona City Council

Ruben Wagensberg, promoter of Casa Nostra Casa Vostra

Teresa Forcades i Vila, doctor, theologian and Benedictine nun

Txell Bragulat, Director, Arab Film Festival

Vidal Aragonés, lawyer and law teacher

Xavier Artigas, Metromuster film production company

Yacine Belahcen, singer

Sara Tuñí, economista

Jordi Rubio, economista

Alex Guillamon, psicólogo

Montserrat Higueras, coordinadora de la sectorial de mujeres de la ANC

Angels Pujol, activista de Dones Pel Sí

Pedro Mercadé Delegat CGT ensenyament